Von der Gesellschaft zur Erheiterung zum Verschönerungsverein

„Manche müssen lächeln, wenn sie den Namen  Verschönerungsverein hören“, sagt der Vereinsvorsitzende und 2. Bürgermeister von Ebersberg, Toni Ried. Dabei ist der ursprüngliche Vereinsname noch origineller. Um 1850 gründeten honorige Ebersberger Bürger die „Gesellschaft zur Erheiterung“. „Sie bemühten sich Ebersberg noch schöner zu machen. Und das tut unser Verein noch heute“, sagt der ehemalige Vereinsvorsitzende Toni Ried. In vielen Artikeln hat auch Kreisheimatpfleger Markus Krammer die Aktivitäten beschrieben.1890 wurde schließlich der Verschönerungsverein Ebersberg ins Leben gerufen. Gleich machte er sich mit Feuereifer an die Arbeit. Die allermeisten der prachtvollen Ebersberg umgebenden Alleen würde es ohne den Verein gar nicht geben. Ruhebänke wurden und werden immer noch aufgestellt. „Heute sind es schon 130 Bänke. Und es sollen noch mehr werden“, sagt der frühere Vorsitzende Toni Ried. Und auch die gut ausgeschilderten Wanderwege rund um Ebersberg gehen mit auf das Konto des Verschönerungsvereins.
Dank großzügiger Spenden von Georg Schuder und Mathias Demmel konnte 2013 eine Brücke über die Ebrach errichtet werden. Das ermöglicht einen durchgehenden Wanderweg durchs Ebrachtal vom Egglburger See bis zur Kumpfmühle. Derzeit plant der Verein eine Erweiterung des Rundweges am Kumpfmühlweiher entlang in Richtung Haselbach und Kleinmühlweiher. Bausumme inkl. Wegebau: ca. 10.000 €. Hier hofft der Verschönerungsverein auf Spenden um das Projekt realisieren zu können.

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Der Aussichtsturm


Einer der schönsten Aussichtspunkte von Ebersberg ist die Ludwigshöhe. Hier gab es früher einen „Steigbaum“ mit vielen Ästen. Auf den kletterten die Ebersberger Burschen gerne um die schöne Aussicht zu genießen. 1860 erwarb die „Gesellschaft zur Erheiterung“ das Grundstück auf dem der Turm steht für 150 Gulden. Dort stellten sie den hölzernen Aussichtsturm auf. Aber erst 1873 wurde der Holzturm vollendet. Er erfreute sich allergrößter Beliebtheit. Nicht nur bei den Ebersbergern sondern auch bei den Tagesausflüglern aus München. Mit der Zeit wurde der Turm baufällig. Nunmehr war der 1890 gegründete „Verschönerungsverein“ für den Turm zuständig. Ein neuer Turm sollte gebaut werden: 30 Meter hoch, aus Eisenbeton – die Kosten wurden auf 12.000 Mark geschätzt. Im September 1914 war es soweit: Der Aussichtsturm wurde gebaut. Der vorgegebene Zeitplan wäre durchaus einzuhalten gewesen. Aber genau da brach der Erste Weltkrieg aus. In der allgemeinen Kriegsbegeisterung rechnete man mit einem schnellen Sieg. Danach – da war man sich einig – sollte der Turm „Siegesturm“ heißen. Daraus wurde nichts.
Aber im November 1914 wurde der Aussichtsturm wirklich fertig gestellt und der Öffentlichkeit übergeben. Damals musste man ein Billett lösen um den Turm zu besteigen. 1915 wurden 2500 Billetts verkauft. Aber noch während des Ersten Weltkrieges wurde der Besuch des Aussichtsturmes kostenfrei und er ist es bis heute. 1991 gründete sich die Bürgeraktion „Erhaltet den Ebersberger Aussichtsturm“, die die stolze Summe von 130.000 Mark sammelte. 1992 wurde der Aussichtsturm saniert und feierlich wiedereröffnet. Noch 2015 wird der Aussichtsturm nachts beleuchtet sein. Auch daran beteiligt sich der Verschönerungsverein.


Das Klosterseebad

Baden war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nur im Langweiher gestattet. Nach fünf Uhr Abends durften die Werktagsschüler den Badeplatz nicht mehr benutzen. Dies regelte eine Verordnung. Das Baden in den anderen Weihern war bei Strafe von drei Gulden verboten.
1893 errichtete der Verschönerungsverein am Langweiher ein „Damenbad“ mit dem schönen Namen „Zur immerblühenden Hoffnung“,das mit größtem Komfort ausgestattet war. 1894 zog die Badeanstalt auf Initiative des Verschönerungsvereins vom Langweiher zum Klostersee um. Hier wurde am Westende eine „Schwimm- und Badeanstalt“ für insgesamt 2200 Mark errichtet. Die bestand aus vier geschlossenen Badekabinen, acht Umkleidekabinen und einem Freibassin für Schwimmer und Nichtschwimmer. Nach einem amtlichen Gutachten war das Wasser des Klostersees „außerordentlich gesund und ungemein mild“. Aber es gab auch strenge Badeverordnungen: Das Baden und Schwimmen ohne Schwimmkleidung im Freibecken war strengstens verboten. Und die Badezeiten waren für beide Geschlechter getrennt vorgesehen. Leider haben sich die Ebersberger daran nicht gehalten, was der Ebersberger Pfarrer Lochner 1904 von der Kanzel seiner Kirche aus strengstens kritisierte.
1921 gründete sich die „Bad Ebersberg e.G.m.b.H“. Durch Kauf und Grundstückstausch gelangte sie in den Besitz des Nordufers des Klostersees. Hierhin wurde 1922 die Badeanstalt verlegt. Die strengen Regeln galten weiter: Es ist streng darauf zu achten, dass in die Herrenabteilung keine Frauen, in die Frauenabteilung keine Herren gelangen. In den Kabinenbädern sind die zahlreichen Astlöcher zu verschließen. Es sind Klagen laut geworden, dass sich Besucher durch neugierige, kahnfahrende Gäste belästigt fühlen. Wiederholt haben Herren in Badehose das Bad verlassen und sind auf dem neben dem Bad hinziehenden Weg herumgelaufen. Hiergegen ist energisch einzuschreiten. Seit 1939 betreibt die Gemeinde Ebersberg das Bad am Klostersee. 2004 und 2007 wurde das Bad komplett saniert und erhielt sein heutiges Erscheinungsbild. Bemerkenswert: Der Eintritt ist auch heute noch frei!

 

Die Heldenallee

Im November 1918 endete der Erste Weltkrieg mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandvertrages. 84 Ebersberger waren gefallen. An sie erinnert die Heldenallee, die zum Ebersberger Aussichtsturm führt. Zum Gedenken wurde nördlich der Stadt zwischen 1929 und 1937 für jeden Toten eine Linde am Weg auf die Ludwigshöhe gepflanzt. Jede Linde erhielt ein Namensschild für einen Gefallenen. Die Reihenfolge ist chronologisch, entsprechend dem Todesdatum, auf dem Weg von der Stadt hinauf zur Alm. Die weißen Tafeln mit grünem Dach wurden zuletzt 1999 erneuert.

 

Erste Straßenschilder

Übrigens: Auch die ersten Ebersberger Straßenschilder gehen auf den Verschönerungsverein zurück: Im August 1912 wurden dahier Warnungstafeln für Automobilfahrer aufgestellt, die an den gefährlichen Stellen zur Vorsicht mahnen. Da hier wirklich sehr viele und unübersichtliche Straßenkreuzungen und Kurven vorhanden sind, so ist mit dem Aufstellen der Tafeln den fremden Automobilfahrern, die in einer immer größer werdenden Zahl Ebersberg passieren, ein großer Dienst erwiesen und hoffentlich wird dadurch mancher Unfall gebannt, heißt es in einer Verlautbarung.